Polizei Bonn - Informationen zur Polizeigeschichte


Abb. Staatsbesuch des Schah von Persien 1967 in Bonn. Die Motorradeskorte der Bonner Polizei steht zur Abfahrt bereit (Quelle: Pünder; Sammlung Kawelovski)


Liebe Besucherinnen und Besucher,

 

auf dieser Seite werden – soweit greifbar – nach und nach Informationen zur Geschichte dieser Behörde eingestellt. Während all die Ereignisse, die die gesamte nordrhein-westfälische Polizei betreffen, auf meinen Unterseiten „Chronik Polizei NRW“ nachgelesen werden können, beschränke ich mich auf dieser Seite auf Informationen, die ausschließlich diese Polizeibehörde hier betreffen. Da die Pflege und Befüllung dieser Homepage im wahrsten Sinne des Wortes ein Lebensaufgabe ist und der Betrieb der Homepage jedes Jahr einen vierstelligen Betrag an Kosten aufwirft, bin ich jedem sehr dankbar, der mir mit Fotografien (digital oder analog), Dokumenten, Zeitzeugenberichten und Informationen jeglicher Art zur Polizei weiterhilft und mir damit zumindest einen Teil der Kosten und des Suchaufwandes erspart. Ich bin im Gegenzug bemüht, möglichst viele Informationen zum Thema Polizei zusammenzutragen und allen Besucherinnen und Besuchern interessante und kostenlose Informationen zusammenzustellen. Bitte sehen Sie mir nach, wenn das Angebot am Anfang noch klein sein wird (Stand 23.4.23)


1928

Abb. Januar 1928. Polizeianwärter bei Übung zum Handgranatenwerfen. Venusberg in Bonn (Quelle: Sammlung Frank Kawelovski)


1947

  • Siegfried Timper wird unter Ernennung zum Polizeioberrat Chef der SK-Polizei in Bonn. Er hatte dieses Amt bereits seit 1946 vertretungsweise inne gehabt.

1954

  • 8. Juli: Neuer Polizeipräsident wird Dr. Wilhelm Tegethoff. Der 1901 im westfälischen Warburg Geborene, war im Dritten Reich stellvertretender Polizeipräsident in Waldenburg und in Hannover. Nach dem Zusammenbruch leitete er die Polizeiabteilung im niedersächsischen Innenministerium. Danach übte er verantwortliche Tätigkeiten im Oberversicherungsamt in Hannover und im Landessozialgericht Celle aus.

1955

  • Einrichtung einer Reiterstaffel in Bonn.
  • Die NRW-Großstädte sollen mit neuartigen Polizei-Meldeapparaten ausgestattet werden. Bei Gefahr wird eine kleine Scheibe eingeschlagen, so dass ein Alarmknopf freigelegt wird. Durch Betätigen des Knopfes wird im Polizeirevier eine Klingel ausgelöst. Überdies können Polizeibeamte den Apparat aufschließen und über einen darin befindliches Telefon Verstärkung anfordern. Die bisherigen Polizeimelder haben sich nicht bewährt. Sie waren mit einem Telefonhörer ausgestattet, über den Bürger mit der Polizei telefonieren konnten. Die Hörer wurden jedoch zu häufig abmontiert und die Gerätegehäuse erwiesen sich nicht als haltbar genug. Die neuen Meldeapparate werden zunächst in Bonn, Oberhausen und Dortmund installiert.

1958

  • 23. Juni: Mehrere Männer unternehmen in den Abendstunden mit einem gestohlenen Pkw in Bonn und Umgebung eine Amokfahrt. Zwischen 22.40 h und 23.55 h schießen sie mit Pistolen und Gewehren durch verschiedene Wohnungsfenster, auf Passanten und entgegenkommende Kraftfahrzeuge und schlagen zudem etliche Fenster an Häusern ein. Die Amokfahrt der Männer kostet zwei Männer das Leben.

1962

  • Neuer Polizeipräsident wird der Rechts- und Staatswissenschaftler Dr. V. Portz. Der 1911 in Vettweiß bei Düren geborene Dr. Portz hatte zuvor im Landwirtschaftsministerium, in leitender Position in bei der Bezirksregierung Koblenz und zuletzt als Polizeipräsident von Mainz gearbeitet.

1964

  • Die Wasserschutzpolizei in Bonn erhält das modernste und schnellste Polizeiboot Nordrhein-Westfalens. Die „WSP 5“ hat einen Bootskörper und Aufbauten aus Leichtmetall, ist 17 m lang, 3,60 m breit und hat einen Tiefgang von fast 1 m. Zwei Deutz-dieselmotoren mit je 280 PS erlauben dem Boot talabwärts eine Geschwindigkeit von 48 km/h. Die WSP 5 ist mit einer Radaranlage für Fahrten bei Nebel und unsichtigem Wetter, mit einem Echolot und mit Funk ausgerüstet.

1965

  • 18. – 28. Mai: Der Besuch der englischen Königin in Deutschland bringt auch für Nordrhein-Westfalen einen der größten Polizeieinsätze seiner Landesgeschichte mit sich. In NRW hält sich die Queen u. a. in Brühl, im Schloss Augustusburg“ auf. Drei Tage bleibt die Königin, die bei ihrer Ankunft mit Bundespräsident Heinrich Lübke die Ehrenformation der Bundeswehr abgeschritten hatte, in Nordrhein-Westfalen. Neben der Bundeshauptstadt Bonn sind in NRW weitere Stationen Düsseldorf und Duisburg.

1968

  • 19 Jahre lang hat die NRW-Landespolizei mit 38 Beamten den Amtssitz des Bundespräsidenten bewacht. Nun wird die „Wache Bundespräsident“ aufgelöst. Die Bewachung wird zukünftig vom Bundesgrenzschutz übernommen. Bundespräsident Dr. Lübke verabschiedet sich unter musikalischer Begleitung des Essener Polizeimusikkorps von „seinen“ nordrhein-westfälischen Beamten.

1969

  • Das neue Dienstgebäude der Wasserschutzpolizeistation in Bonn-Beuel wird in Betrieb genommen. Das unmittelbar am Rhein gelegene Gebäude erlaubt, den Schiffsverkehr nach beiden Richtungen über einen weiten Abschnitt zu überwachen. Das Gebäude, das auf einem Grundstück neben der Kennedy-Brücke errichtet worden ist hat rund 700.000 DM gekostet und bietet Arbeitsplätze für 13 Beamte der Schutzpolizei und einen Kriminalbeamten.
  • 1. Oktober: Schutzpolizeidirektor Christian Keller wird zum neuen Leiter der Schutzpolizei in Bonn ernannt. Keller ist bereits 1937 in die Polizei eingetreten. Der gebürtige Hesse hatte 1942 erfolgreich am Offiziersanwärterlehrgang in Fürstenfeldbruck teilgenommen. Nach seiner Wiedereinstellung nach Kriegsende war er zunächst stellvertretender Reviervorsteher in Krefeld, Sachbearbeiter im Innenministerium und wurde 1955 zum Rat ernannt.


Abb. Vorbereitung der Polizeieskorte für den Staatsbesuch des amerikanischen Präsidenten Richare Nixon im Februar 1969. Rechts im Bild Polizeihauptkommissar Pünder, der Leiter des Eskortendienstes in Bonn (Quelle: Pünder)


Abb. Frühjahr 1970. Die US-amerikanischen Austronauten, die im Vorjahr mit ihrem Raumschiff Apollo 11 auf dem Mond gelandet waren, zu Besuch in Deutschland. Auf dem Bild begrüßt im Vordergrund Austronaut Neil Armstrong den Leiter des Bonner Eskortendienstes PHK Pünder (Quelle: Pünder)


1971

 

  • 9. Dezember: Polizeipräsident Dr. Valentin Porz wird in den Ruhestand versetzt. Sein Nachfolger wird Helmut Botschen, Abteilungsdirektor der Bezirksregierung Köln. Der am 1926 in Stadtlohn geborene Botschen übt vor seiner Ernennung zum Polizeipräsidenten als Jurist mehrere Tätigkeiten bei den Bezirksregierungen Aachen und Köln aus.
  • Dezember: Die Polizei Bonn erhält eine neue Autobahnwache. Das 626.000 DM teure Gebäude wird durch Regierungspräsident Dr. Heidecke an den Stationsleiter, Polizeioberkommissar Tomiczek übergeben.

1972

 

  • Februar: Im Neubau des Polizeipräsidiums wird Richtfest gefeiert. Das Grundstück für das Gebäude an der Friedrich-Ebert-Allee war 1968 vom Landesfinanzminister im Wege des Grundstücktausches von der Stadt Bonn erworben worden.

1973

 

  • Leitender Schutzpolizeidirektor Viktor Manweiler wird neuer Leiter der Abteilung Schutzpolizei. Manweiler wurde 1921 in Jessen/Ostpreußen geboren und ist 1945 in die Polizei eingetreten. 1965 wurde er zum Polizeirat ernannt, 1970 zum Schutzpolizeidirektor und 1973 zum Leitenden Schutzpolizeidirektor. Vor seiner Bonner Ernennung war er Sachbearbeiter und nachfolgend Dezernent der Schutzpolizei beim Regierungspräsidenten in Düsseldorf und dann Leiter der Schutzpolizei in Neuss.

1974

 

  • Das Land beschafft für zunächst sechs Kreispolizeibehörden Fernsehaufnahme- und Übertragungswagen. Die mit Aufnahme- und Aufzeichnungsgeräten ausgestatteten Fahrzeuge, die nach Bielefeld, Bonn, Dortmund, Düsseldorf, Essen und Köln ausgeliefert werden, können über eine Kamera, die auf einem drehbaren Mast montiert ist, und einen Bildsender Filmaufnahmen an Empfangseinrichtungen in den jeweiligen Polizeipräsidien übertragen. Kostenpunkt für jedes Fahrzeug: 100.000,- DM. Die Fahrzeuge sollen mit ihren Filmaufnahmen den Einsatzleitungen Lagebeurteilungen ermöglichen und Dokumentarmaterial produzieren. Auch die beiden Hubschrauberstaffeln werden mit je einer Fernsehaufnahme- und Übertragungsanlage ausgestattet.

1975

 

  • Die Personalstärke für die Polizei Bonn beträgt im Jahr 1975 insgesamt 1.132 Polizeivollzugsbeamte, nämlich 979 Beamte der Schutz- und 153 Beamte der Kriminalpolizei.
  • Dr. Hans Wilhelm Fritsch wird neuer Polizeipräsident in Bonn. Fritsch war 1957 in den Dienst der Landesverwaltung eingetreten. Nach zwei Jahren in veranwortlicher Position beim PP Bonn wechselte er 1966 zum Bundeskriminalamt und war dort als Leiter der Sicherungsgruppe für die Sicherheit der höchsten Repräsentanten des Staates zuständig. 1974 wurde Dr. Fritsch Polizeipräsident in Wuppertal. Das Amt hatte er für rund ein Jahr bis zu seinem Wechsel nach Bonn inne.
  • Bonn verfügt 1975 über eine Polizeidichte von 1:395 (ein Polizeibeamter auf 395 Bürger) Die Polizeidichte ist in Nordrhein-Westfalen sehr ungleich verteilt. Während der PP Düsseldorf das günstigste Verhältnis von 1:377 hat, sieht es in der Oberkreisdirektion Neuss besonders schlecht aus. Hier beträgt das Verhältnis 1:1072.

1978

 

  • Leitender Kriminaldirektor Johann Sons wird Leiter der Kriminalpolizei. Der 1921 in Rastenburg/Ostpreußen geborene Beamte ist 1947 in die Polizei eingetreten. 1967 wurde er zum Kriminalrat ernannt, 1970 zum Kriminaloberrat und 1971 zum Kriminaldirektor. Während dieser Zeit war er Abteilungsleiter beim Landeskriminalamt in Düsseldorf.
  •  November: Aufgrund der hohen terroristischen Bedrohung wird für den Objektschutzdienst in Bonn ein gepanzertes Streifenfahrzeug des Typs Shorland MK 3 – ähnlich einem großen Geländewagen mit geringen Fensterflächen und Geschützturm – angeschafft. Das Fahrzeug erweist sich mit einem Kraftstoffverbrauch von 40 l auf 100 km und einem Wendekreis von 17 m als wenig praxistauglich, so dass von der Anschaffung weiterer Exemplare abgesehen wird.

1979

 

  • 12. September: Auf dem Köln-Bonner Flughafen endet die Entführung einer Lufthansa-Maschine, in der der Täter 119 Passagiere und die Crew in seine Gewalt gebracht hatte. Der Täter hatte nach Verhandlungen zunächst alle Passagiere und einen Teil der Besatzung, schließlich auch die restlichen Besatzungsmitglieder freigelassen und sich dann der Polizei ergeben.

1980

  • Für den Objektschutzdienst werden gepanzerte Streifenwagen erprobt. Es handelt sich um Mercedes-Geländewagen des Typs DB 280 GE. Der Aufbau besteht aus Panzerstahl und Sicherheitspanzerglas. Motor, Antrieb und Kraftstofftank sind besonders geschützt. Mit den 156-PS-Motoren wird eine Spitzengeschwindigkeit von 155 km/h erzielt. Die Fahrzeuge sind deutlich wendiger als ein ausländisches Modell, von dem aufgrund mangelnder Praxistauglichkeit nur ein Exemplar angeschafft worden war. Von dem Mercedes-Panzerwagen sollen zunächst fünf Stück angeschafft werden, die in Köln, Bonn und Düsseldorf Streife fahren sollen.

Abb. Gelöbnisfeier der Bundeswehr in Bonn am 12. November 1980. Die Gelöbnisveranstaltungen, bei denen Bundeswehrsoldaten ihren Diensteid ablegen mussten, waren in linken Kreisen stark umstritten und führten regelmäßig zu größeren Demonstrationen (Quelle: Michael Zech; Sammlung Frank Kawelovski)


Abb. Wie vor. Die Veranstaltungen mussten jeweils weiträumig abgesperrt und mit starken Polizeikräften geschützt werden (Quelle: Michael Zech; Sammlung Frank Kawelovski)


1981

  • 10. Oktober: Bonn 300.000 Demonstranten fordern in Bonn die Rücknahme des NATO-Doppelbeschlusses.
  • 31. März: Viktor Manweiler scheidet als Leiter der Abteilung Schutzpolizei aus, da er in den Ruhestand geht. Er hat dieses Amt seit 1973 inne gehabt. Seine Nachfolge tritt Schutzpolizeidirektor Joachim Zimmermann an. 1928 in Berlin geboren und 1949 in die Polizei eingetreten, wurde Zimmermann zwischen 1966 und 1970 vom Polizeirat bis zum Schutzpolizeidirektor befördert. Nach der Leitung der Verkehrsüberwachungsbereitschaft beim Regierungspräsidenten in Arnsberg war er von 1967 bis 1974 Schutzbereichsleiter bzw. Sachbearbeiter beim PP Bonn. Ab 1974 führte er die Bereitschaftspolizeiabteilung V in Brühl. Anschließend kehrte Joachim Zimmermann als Leiter des Sachgebiets I nach Bonn zurück.
  • 30. April: Leitender Kriminaldirektor Johann Sons geht mit Ablauf des Monats als Leiter der Kriminalpolizei in den Ruhestand. Sons war seit 1978 in dieser Tätigkeit aktiv.
  • Die Polizeidichte in Bonn liegt 1981 bei 1:320 (1 Polizeibeamter kommt auf 320 Einwohner). Damit liegt Bonn an günstigster Stelle. Zum Vergleich: Die Polizeidichte in Gummersbach hat mit 1:752 den ungünstigsten Wert. Die für NRW durchschnittlich angestrebte Polizeidichte von 1:400 ist weitgehend erreicht.

1983

  • 22. Oktober: Im Rahmen der Aktionswoche der Friedensbewegung gegen die atomare Aufrüstung in Ost und West und gegen die Aufstellung von amerikanischen Mittelstreckenraketen gehen in Bonn 500.000 Menschen auf die Straße. Es wird eine zwölf Kilometer lange Menschenkette um die Bannmeile des Regierungsviertels gebildet. Die Proteste verlaufen friedlich. Die Polizei geht von einer deutlich geringeren Teilnehmerzahl (190.000) als die Veranstalter aus.
  • 21. November: In Bonn demonstrieren rund 3000 Menschen gegen den NATO-Nachrüstungsbeschluss und die geplante Stationierung  amerikanischer Pershing- und Cruise Missile-Raketen in Deutschland. Die Polizei nimmt 164 Menschen fest, nachdem mehrere hundert Demonstranten versucht haben, den Absperrring um das Bundeshaus zu durchbrechen, und setzt bei der Demonstration Wasserwerfer ein.
  • Polizeimeister Michael Prangenberg vom PP Bonn wird Deutscher Meister im Fünfkampf (Mannschaftswertung).

 


Abb. Szene in Bonn um 1983. Das erste Modell des VW Passat als Streifenwagen in doppelter Ausführung (Quelle: Erik Hesse; Sammlung Frank Kawelovski)


Abb. Friedensdemo in Bonn am 21.Oktober 1983. Demonstranten blockieren eine Straße (Quelle: Michael Zech; Sammlung Frank Kawelovski)


Abb. Wie oben. Unmittelbarer Zwang in seiner freundlichsten Form - auf beiden Seiten des Lagers (Quelle: Michael Zech; Sammlung Frank Kawelovski)


1984

  • Das Polizeipräsidium Bonn wird mit einer hochmodernen neuen Einsatzleitstelle ausgestattet. Die Leitstelle ist u. a. mit dem Einsatzleitsystem CEBI ausgestattet, mit dem Einsätze in eine Datenbank eingegeben und koordiniert werden. Die 7,3 Millionen teure Anlage verfügt u. a. über 12 Fernmeldebetriebstische, eine Tonaufzeichnungsanlage und eine Videoübertragungsanlage.
  • Polizeireiterstaffeln bleiben erhalten. Die Pläne der Landesregierung, einen Teil der 12 Polizeireiterstaffeln in NRW aufzulösen, werden aufgegeben. Alle Staffeln und auch ihre Sollstärken sollen erhalten bleiben, allerdings werden ab 1.1.84 insgesamt 34 Pferde abgeschafft, so dass den Staffeln noch 208 Tiere belassen werden. Die Reiterstaffeln sind in den Polizeipräsidien Aachen, Bochum, Bonn, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Gelsenkirchen, Köln, Mönchengladbach, Recklinghausen und Wuppertal angesiedelt. Köln verfügt zudem – auch weiterhin – über eine Schul- und eine Remontenabteilung.

1987

  • Die für Mai geplante erneute Volkszählung erregt die Gemüter in der Bevölkerung und beschäftigt auch die Polizei. 49 % der Bürger halten die Befragung für überflüssig, 13 % wollen sich ihr auf jeden Fall verweigern. Schon im März wird im Zusammenhang mit der Volkszählung ein Sprengstoffanschlag auf das Leverkusener Rathaus verübt, in Oberhausen kann eine Explosion noch rechtzeitig durch die Polizei verhindert werden. Nach dem Start der Befragung kommt es zu zahlreichen gewalttätigen Übergriffen gegen die Personen, die die Zählung durchführen. Die Übergriffe werden von der Landesregierung aufs schärfste verurteilt und es werden verstärkte Streifengänge der Polizei in Brennpunkten angekündigt. In Bonn durchsucht die Polizei die Bundesgeschäftsstelle der Grünen, nachdem die Partei mit Flugblättern zum Boykott der Zählung aufgerufen hatte.

1988

  • 16. August: Gladbecker Geiselnahme: In Gladbeck wird eine Filiale der Deutschen Bank von den erheblich vorbestraften Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner überfallen. Die beiden Täter flüchten mit Geiseln aus der Bank und kapern u. a. einen vollbesetzten Linienbus, dessen Fahrer sie zunächst zwingen, in die Niederlande und anschließend nach Bremen zu fahren. Die Odyssee der beiden Kriminellen erstreckt sich noch über die beiden nachfolgenden Tage, erfährt u. a. einen Zwischenstopp in Köln, bei dem die Täter auf der Dom-Platte Reportern dreist vor einer großen Öffentlichkeit Interviews geben, ohne dass die Polizei eine Zugriffsmöglichkeit sieht. Sie endet schließlich in einem Schusswechsel mit SEK-Kräften auf der A3 bei Bad Honnef. Die Geiselnehmer erschossen während ihrer Irrfahrt zwei Geiseln (15 und 18 Jahre). Zudem kam ein Polizeibeamter bei der Verfolgung ums Leben. Die Lehren, die aus dieser mobilen Einsatzlage bisher unbekannten Ausmaßes gezogen wurden, sollten die polizeilichen Taktiken bei Geiselnahmen und anderen schwerwiegenden Einsatzlagen nachfolgend grundlegend ändern.
  • 19. Oktober: Der Bonner Polizeipräsident Dr. Hans Wilhelm Fritsch wird in den Ruhestand verabschiedet, der das Amt seit 1975 inne gehabt hatte. Innenminister Schnoor verlieh ihm für seine besonderen Verdienste, die er als Polizeipräsident der Bundeshauptstadt erworben hatte, das Große Bundesverdienstkreuz. Nachfolger von Dr. Fritsch wird der Leitende Regierungsdirektor Michael Kniesel. Kniesel war zuvor in verantwortlichen Tätigkeiten im Polizeidezernat des Münsteraner Regierungspräsidenten, bei der Direktion der Bereitschaftspolizei in Selm und als Fachbereichsleiter Rechtswissenschaften bei der Polizei-Führungsakademie.

1989

  • Juni: In Bonn kommen 1500 Polizeibeamte aus allen Bundesländern zu einer großen Polizeischau zusammen. 100.000 Besucher bekommen Übungen der Hubschrauberstaffeln und der Wasserschutzpolizei genauso zu sehen wie Vorführungen mit Diensthunden und Dienstpferden, Auftritte der Verkehrspuppenbühnen und vieles mehr.
  • Leitender Regierungsdirektor Jürgen Homann geht nach 14-jähriger Tätigkeit als ständiger Vertreter des Bonner Polizeipräsidenten mit Ablauf des Mai in den Ruhestand.
  • Januar: Der Objektschutzdienst in der Bundeshauptstadt Bonn nimmt die Polizei in erheblichem Umfang in Anspruch. Innenminister Schnoor weist im Januar anlässlich der Eröffnung eines 46 Millionen DM teuren neuen Dienstgebäudes des Objektschutzdienstes darauf hin, dass Nordrhein-Westfalen angesichts der anhaltenden Bedrohung durch Terroristen nicht in seinen Anstrengungen nachlassen darf. In Bonn müssen derzeit rund 300 Objekte geschützt werden. Die 600 Beamten des Objektschutzdienstes müssen dabei von den Beamten der Bereitschaftspolizei unterstützt werden, um ihre Aufgaben erfüllen zu können.

1991

  • Um das behördliche Vorschlagwesen, in dessen Rahmen gute Verbesserungsvorschläge von Behördenmitarbeitern zur Optimierung der Arbeit mit Prämien belohnt werden, haben sich 1991 auch mehrere Polizeibeamte verdient gemacht. So hat Polizeiobermeister Wilfried Clever vom PP Bonn eine auf einer Schiene gelagerte Steigbügelleuchte erfunden, die sich als Beleuchtung für Pferde der Polizeireiterstaffeln schnell befestigen und auch wieder lösen lässt.

1992

  • 24. April: Tödlicher Schusswaffengebrauch im Krankenhaus. Ein alkoholkranker Patient (59 Jahre) bedroht in einem Krankenhaus in Bonn Mitpatienten mit einer Schußwaffe und einem Messer; als er auf herbeigerufenen SEK-Beamte schießt, feuern diese zurück.
  • Das neue Polizeidienstgebäude in St. Augustin wird seiner Bestimmung übergeben. In dem Gebäude sollen neben der Polizeistation St. Augustin auch die kriminalpolizeiliche Beratungsstelle und das 1. Kriminalkommissariat Platz finden.

1993

  • 21. August: Innenminister Dr. Herbert Schnoor führt den neuen Bonner Polizeipräsidenten Dierk-Henning Schnitzler in sein Amt ein. Schnitzler war bisher Polizeipräsident der Wasserschutzpolizei NRW. Er löst als Bonner Präsident seinen Vorgänger, den 48-jährigen Michael Kniesel ab.

1994

  • 24. April: Tödlicher Schusswaffengebrauch im Krankenhaus. Alkoholkranker Patient bedroht in einem Krankenhaus in Bonn Mitpatienten mit einer Schußwaffe und einem Messer; als er auf herbeigerufenen SEK-Beamte schießt, feuern diese zurück.
  • Regierungspräsident Dr. Antwerpes übergibt der Polizei Bonn ein neues Dienstgebäude für die Polizeiinspektion West.

1995

  • Die Abteilung Werbung und Auswahl der Direktion für Ausbildung der Polizei NRW „rettet“ ein Sonderfahrzeug Opel Blitz Transporter des PP Bonn, das dort ausgesondert wird. Der Oldtimer Baujahr 1974 wird nachfolgend restauriert und zukünftig als Werbefahrzeug für Personalwerbungsmaßnahmen eingesetzt.
  • 30. April: Der Leiter der Abteilung GS im Bonner Polizeipräsidium, Leitender Kriminaldirektor Gerd Steffen, geht in den Ruhestand. Steffen kam 1981 nach Bonn und leitete 13 Jahre die Abteilung Kriminalpolizei bis er im Zuge der Neuorganisation in das Amt des Leiters GS eingeführt wurde.
  • Dezember: Polizeiobermeister Dirk Arzt, PP Bonn, erhält aus der Hand von Innenminister Kniola die Rettungsmedaille des Landes. Er hatte eine suizidgefährdete Frau und ihr Kleinkind in buchstäblicher letzter Sekunde vor einem herannahenden Zug von einem Bahngleis gerettet.

1996

 

  • 1. April: Die Bereitschaftspolizei wird grundlegend verändert. Während bisher die Hundertschaften unter dem Dach der Direktion der Bereitschaftspolizei zusammengefasst waren, werden sie nun an große Kreispolizeibehörden angebunden, die teils mit einer, teils mit zwei Bereitschaftspolizeihundertschaften (BPH) ausgestattet werden. Insgesamt werden nachfolgend 18 Hundertschaften in Bochum, Wuppertal, Köln, Dortmund, Bielefeld, Düsseldorf, Aachen, Gelsenkirchen, Duisburg, Bonn, Münster, Essen, Recklinghausen und Mönchengladbach stationiert. In Bochum, Wuppertal und Köln werden zudem je eine Führungsgruppe und eine Technische Einsatzeinheit (TEE) eingerichtet.

2002

 

  • 30. Juni: Die Amtszeit des Bonner Polizeipräsidenten Dierk H. Schnitzler endet nach neunjähriger Amtszeit. Ab Juli ist Wolfgang Albers, bislang Leiter der Kommunalabteilung der Düsseldorfer Bezirksregierung, sein Nachfolger. Der 1955 in München geborene Albers kam als Jugendlicher nach Meerbusch und machte 1977 in Düsseldorf sein Abitur. Nach der zweiten juristischen Staatsprüfung trat er in den Landesdienst ein und leitete u. a. vertretungsweise das PP Leverkusen und arbeitete auch im Ministerbüro des damaligen Innenministers Herbert Schnoor. Vor seiner Versetzung zur Bezirksregierung war Albers persönlicher Referent von Innenminister Kniola.
  • 28. Juli: Polizeibeamter erschossen. In Bonn-Bad Godesberg werden der 40-jährige Polizeikommissar Gerd Höllige und sein Kollege Wolfgang K. zu einem Hausfriedensbruch gerufen. Einem der beiden Beamten wird die Waffe entwendet. Bei der anschließenden Schussabgabe wird Höllige  getötet und der zweite Beamte schwer verletzt.

2003

 

  • Polizeisportler des Jahres werden PKin Yvonne Frank (PP Köln) und PK Gregor Simon (PP Bonn). Während Yvonne Frank mit der Damennationalmannschaft im Hallenhockey Weltmeisterin wurde, gelang es Gregor Simon bei den Kanadier-Meisterschaften im tschechischen Karlsbad Europameister im Zweier-Kanadier zu werden. Frank und Simon werden dafür 2004 von Innenminister Behrens ausgezeichnet.

2005

 

  • November: Die Staatsanwaltschaft Bonn erhebt Anklage gegen drei Polizeibeamte und einen Polizeiarzt. Den vier Männern wird vorgeworfen, einen italienischen Staatsangehörigen in einer Gewahrsamszelle derart fixiert zu haben, dass er einen Herzstillstand erlitten hat, dauerhaft ins Koma gefallen ist und irreparable Schäden davongetragen hat.

2006

 

  • 2. Juli: Ein Polizeibeamter erschießt in Bonn einen Einbrecher, der mit einem Schlagwerkzeug auf seine Kollegin zugeht.

2007

 

  • 1. Juli: Tödlicher Schusswaffengebrauch. Bei dem Versuch, in Bonn zwei Einbrecher festzunehmen, wird einer der Tatverdächtigen von einem Beamten erschossen. Der Tatverdächtige hatte zuvor die Kollegin des Beamten mit einem Messer angegriffen.

2009

 

  • Hoher Krankenstand: 2009 waren durchschnittlich 17 % aller Polizeibeschäftigten in NRW mehr als sechs Wochen (durchgehend oder mit Unterbrechungen) krankgeschrieben. Spitzenreiter unter den Kreispolizeibehörden mit Langzeitkranken sind der Rhein-Sieg-Kreis und Bonn mit je 24 % und Aachen mit 29 %.

2012

 

  • Dezember: Angehörige der radikal-islamischen Szene deponieren im Bonner Hauptbahnhof eine Reisetasche mit einem Sprengsatz. Dieser explodiert allerdings nicht.

 

2017

 

  • 26. Januar: Tödlicher Unfall mit Mannschaftswagen. Vor der Einfahrt zum Bonner Polizeipräsidium überfährt ein 28-jähriger Polizeibeamter eine 57-jährige Frau. Die Frau erliegt noch an der Unfallstelle ihren schweren Verletzungen. Der Beamte hatte mit einem Mannschaftswagen von der Straße auf die Zufahrt zum Polizeipräsidium abbiegen wollen.
  • 13. März: Tablets im Streifenwagen. In einem Pilotprojekt werden in den Streifenwagen in Duisburg, Köln, Düsseldorf und Bonn ab sofort Tablets mitgeführt, die als mobile Büros eingesetzt werden können. Über die für die Testphase insgesamt 100 Computer können u. a. vermisste Personen identifiziert und Personalien von Personen überprüft werden.

2018

 

  • 13. Juli: Polizeigewalt gegen jüdischen Professor. Nach einem Überfall auf einem mit einer Kippa bekleideten jüdischen Professor aus den USA wird das Opfer in Bonn von den alarmierten Polizeibeamten irrtümlich für den Täter gehalten. Bei der Festnahme sollen dem 50-jährigen dabei unnötig zahlreiche Schläge ins Gesicht verabreicht worden sein. Der eigentliche Täter, ein 20-jähriger Deutscher mit palästinensischen Wurzeln wird wenig später festgenommen. Der Vorfall verschärft nicht nur die Debatte um einen Zunahme antisemitischer Übergriffe in Deutschland, sondern stellt auch die Politik der Härte und Null-Toleranz in Polizeieinsätzen der Landesregierung NRW infrage.
  • 10. Dezember: 23-jähriger Polizist durch jungen Kollegen erschossen. Durch die ungeschickte Handhabung einer Dienstwaffe eines 22-jährigen Beamten im Rahmen einer Übung wird der 23-jährige Polizeikommissar Julian Wolf in Bonn Ende November von einem Schuss in den Hals getroffen. Wolf verstirbt am 10. Dezember an seinen Verletzungen.