Weimarer Republik

Die als Weimarer Republik bezeichnete Epoche zwischen dem Kaiserreich und dem Dritten Reich betrug nur 14 Jahre und war doch eine der politisch schwierigsten und wechselhaftesten Phasen, die die Deutschen durchzustehen hatten. Alleine das Amt des Reichskanzlers wechselte in 20 Amtsperioden zwischen 13 Amtsinhabern hin und her. Nach Ende des 1. Weltkriegs kam es zunächst zu Machtkämpfen zwischen politisch Linken und Rechten, die 1920/21 teils in blutige Straßenkämpfe mündeten, und im so genannten Kapp-Putsch erzkonservativer Kräfte und in den Spartakistenaufständen der extremen Linken ihre Höhepunkte fanden. Nachdem sich die Lage etwas beruhigt hatte, erschütterte der Einmarsch belgischer und französischer Besatzungssoldaten (Ruhrbesetzung) ab 1923 die von Krieg und inneren Unruhen gebeutelte Bevölkerung. Gegen Ende der Weimarer Republik nahmen die Straßenkämpfe zwischen Linken und Rechten schließlich wieder zu und die wirtschaftliche Lage der Menschen wurde nicht nur in Deutschland 1929 durch die Weltwirtschaftskrise mit einer rasenden Inflation und einer Verarmung vieler Millionen Menschen immer unerträglicher. Von diesem Niedergang profitierten schließlich 1933 die Nationalsozialisten, die den Deutschen einen verheißungsvollen Neuanfang in Aussicht stellten. Für die Polizei, die immer wieder zwischen die Fronten gewalttätiger Extremisten geriet und die Schikanen der Ruhrbesetzer auszuhalten hatte, war die Weimarer Zeit eine der blutigsten, die sie je erlebt hat.


Ruhrbesetzung

Die junge Weimarer Republik war 1919 durch den Versailler Vertrag von den Siegermächten für die Schäden haftbar gemacht worden, die der von Deutschland begonnene Erste Weltkrieg im Ausland verursacht hatte. Deutschland wurde vertraglich verpflichtet, den Kriegsgegnern hohe Reparationsleistungen zu erbringen. Besonders Frankreich pochte auf einen schnellen und konsequenten Vollzug der Wiedergutmachung. Da absehbar war, dass Deutschland nicht in der Lage sein würde, die Reparationen in Geld zu leisten, wurde Wiedergutmachung in Naturalien (Stahl, Kohle, Holz etc.) eingefordert. Wiederholt geriet Deutschland mit seinen Verpflichtungen in Rückstand. Im März 1921 rückten schließlich französische und belgische Truppen mit Panzern und starken Mannschaftsverbänden in das entmilitarisierte Rheinland ein, um den Forderungen Nachdruck zu verleihen. So wurden u. a. die Städte Duisburg und Mülheim von den alliierten Soldaten besetzt. Nach kurzer Zeit weitete sich die Besetzung auch auf andere Städte des Ruhrgebietes aus.

 

Das Miteinander der Deutschen und der Besatzer war konfliktreich. Sowohl die Zivilgesellschaft wie auch die Behörden waren nicht bereit, reibungslos mit den Franzosen und Belgiern, die zum Teil die Bevölkerung schikanierten, zusammenzuarbeiten. Aus den Reihen der Polizei wurden zahlreiche Beamte und auch Polizeipräsidenten bestraft und verhaftet, weil sie etwa den Besatzungsoffizieren den Gruß oder die Ausführung von Befehlen verweigert hatten. Polizeidienststellen wurden zum Teil von Soldaten besetzt und verwüstet. Davon betroffen war etwa auch das Polizeipräsidium in Essen. Die Besatzer legten eine zunehmende Härte gegen die widerspenstige Polizei im Ruhrgebiet an den Tag und verfügten schließlich sogar die Ausweisung ganzer Polizeien aus den Städten. Die Polizeiarbeit musste fortan in den Ruhrgebietsstädten  von Feuerwehrleuten und eilig rekrutierten Hilfspolizisten, die nicht für Polizeiarbeit ausgebildet waren, verrichtet werden. Die Rückkehr der Polizeibeamten aus dem Exil wurde zum Teil erst zwei Jahre später mit Beendigung der Ruhrbesetzung zugelassen.

 

Auf dem Foto sieht man fünf Beamte der Essener Schutzpolizei, die 1923/24 ins oberschlesische Exil nach Annaberg geschickt worden waren und dort ihre Zeit verbringen mussten. (Foto: Kawelovski)

 

Polizeibewaffnung in der Weimarer Republik

Die Bewaffnung der Polizeibeamten in der Weimarer Republik wies nur geringe Parallelen zu den heutigen Polizeiwaffen auf. Gleich war damals wie heute, dass die Beamten mit einer Pistole auf Streife gingen. Im Übrigen verlangten aber die damaligen Verhältnisse, in denen es zum Teil schwerste Gefechte mit politisch aufständischen Bevölkerungsgruppen und auch große, oft in Gewalt umschlagende Streikveranstaltungen gab, eine schwerere Bewaffnung als heute. Der Polizeipanzer auf dem obigen Foto bringt dies in martialischer Weise zum Ausdruck. Die fünfköpfige Panzerbesatzung konnte aus einem Gefechtsturm heraus auf Aufständische schießen. Zum Einsatz kamen dabei auch Maschinengewehre. Auf dem Foto sieht man im vorderen Bereich vor den knienden Beamten eine solche Waffe mit langen Patronenketten für Dauerfeuer. Das Bild erinnert uns heute an Kriegsverhältnisse, war aber bei Aufständen Teil des Straßenbildes. Zur Bewaffnung der geschlossenen Verbände in der Weimarer Republik gehörten auch Handgranaten. Handgranaten als Polizeiwaffen wurden übrigens erst weit nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland abgeschafft. (Foto: Kawelovski)