Düsseldorf - Polizeipräsidium


 

 

Baugeschichte

 

Für die beabsichtigten Neubauten des Polizeipräsidiums und des Landesfinanzamtes in Düsseldorf wurde Anfang 1928 ein auf den 17.3.1928 befristeter Ideenwettbewerb ausgeschrieben. Dazu eingeladen waren alle Architekten, die in der Rheinprovinz, in Westfalen, im Saargebiet und in der Rheinpfalz ihren Wohnsitz oder ihr technisches Büro hatten.

 

Der Ideenwettbewerb für die beiden Staatsbauten erfreute sich nicht nur deshalb besonderen öffentlichen Interesses in Fachkreisen, weil es selten zusammentrifft, dass zwei Staatsbehörden gleichzeitig auf gemeinsamem Baugelände ein Großbauvorhaben zur Ausführung bringen wollten, sondern weil eine rheinische Großstadt mit gesunder künstlerischer Tradition sich einer städtebaulich nicht  alltäglichen Aufgabe gegenübersah, die auch auf die spätere Entwicklung des ganzen südlichen Stadtteils erheblichen Einfluss nehmen sollte.

 

Nach dem Willen der Ausschreiber diente der Wettbewerb in erster Linie der Klärung von Möglichkeiten städtebaulicher Gestaltung der Gesamtanlage, für die ein Terrain von gut 200 m Länge und 180 m Tiefe zur Verfügung stand. Beide Neubauten sollten entsprechend ihrer Bestimmung und dem Charakter nach als Dienstgebäude öffentlicher Verwaltung ein würdiges Aussehen unter Verzicht auf unangemessenen Aufwand erhalten.

 

Gewonnen war der riesige Bauplatz durch Aufgabe der alten Kasernenanlagen des 2. Westfälischen Husarenregiments Nr. 11,  die vor rund 100 Jahren geschaffen, Geist und Schaffen Schinkels, des Altmeisters preußischer Staatsbaugesinnung, widerspiegelten. Heute erinnert ein Gedenkstein mit Bronzerelief (von der Kavalleriestraße gesehen, Stichstraße zwischen dem Polizeipräsidium und der Landesfinanzbehörde) an die Kasernenanlagen des traditionsreichen Husarenregimentes.

 

Abb. 2. Säulengang vor dem Haupteingang (Quelle: Geschichte am Jürgensplatz e. V.)

 

 

Mit der Neugestaltung der Polizei und damit einhergehender Umorganisation und Aufgabenzuweisung und der Zentralisierung der Finanzverwaltung beim „Reich“ kamen 1914 – 1918 auf beide Behörden Aufgaben nie gekannten Ausmaßes zu. Raummangel war allzu deutlich spürbar und Neubauten geplanter Größenordnung waren notwendig.

 

Bei der Ausschreibung des Ideenwettbewerbs ging man davon aus, dass der Baugrund – in dem Karree zwischen Kavalleriestraße – Fürstenwall – Neußer Straße – Hubertusstraße – für den Gebäubekomplex des Polizeipräsidiums nördlich (zur Hubertusstraße) und für die Landesfinanzbehörde südlich (zum Fürstenwall) gelegen sein sollten. Letztlich entschied man sich aber für einen Austausch der Bauplatzteile. Der Ideenwettbewerb fand so regen Anklang, dass 146 Entwürfe eingereicht wurden. Die ersten Preise erzielten mit ihren Planungen die Architekten Bökels und Biskaborn (Düsseldorf), Dipl-Ing. Jeiter und Architekt Gierlich (Köln) und die Architekten Wellhausen und Behrendt (Bochum). Aus allen drei Entwürfen wurde ein Behördenhaus entwickelt, dessen Entwurfbearbeitung und Bauleitung in die Hände des Regierungsbaurats Alexander Schäfer gelegt worden war.

 

Mit den umfangreichen Bauvorbereitungen für das neue Präsidium wurde Anfang 1929 begonnen. Die Grundsteinlegung erfolgte in einem Festakt am 12.10.1929 unter Teilnahme zahlreicher Zuschauer und politischer Prominenz wie dem Düsseldorfer Oberbürgermeister Dr. Lehr, dem preußischen Innenminister Grzesinski, Polizeipräsident Langels und Regierungspräsidenten Bergemann.

 

Polizeipräsidium und Landesfinanzbehörde sollten durch eine 25 m breite Stichstraße getrennt sein. Später, nach Fertigstellung beider Bauvorhaben, sollte zur Neußer Straße hin ein Zwischenbau beide Gebäude verbinden und so das Fassadenbild schließen. Der Bau des Landesfinanzamtes wurde jedoch zunächst zurückgestellt.

 

Der langgestreckte Hauptbau mit den vier Querflügeln gegen Süden gibt zum Fürstenwall hin Raum für drei Innenhöfe, die ihrer Bestimmung nach für das Überfallkommando, das Gefängnis und das Eichamt vorgesehen waren.

 

Das neue Polizeipräsidium sollte nach Fertigstellung vielen Dienstzweigen Raum bieten: Dem Polizeipräsidenten mit seinen Abteilungen, Polizeirevier, Überfallkommando, Polizeigefängnis, Kriminalpolizei, Kriminal- und Wirtschaftsmuseum, Verhandlungs- und Sitzungssälen, Eichamt, Katasteramt, Meldeämtern, Kassen, Führerscheinkartei, Unterrichts- und Wohlfahrtsräumen, Garagen, Pferdeställen, Werkstätten, Wohnungen für Bediensteten sowie Abnahme- und Vorführplatz für Kraftfahrzeuge.

 

Vier Jahre dauerte es – mit eindreivierteljähriger Bauunterbrechung – bis das Präsidium am 31.12.1933 auch in den letzten Teilen den verschiedenen Dienststellen übergeben werden konnte. Das alte „Polizeipräsidium“ im Stadthaus an der Mühlengasse hatte seine Pflicht getan und trat als sichtbares Zeichen auch Schriftzug und Staatssymbol an das neue Polizeipräsidium am Kavallerieplatz, später Mackenplatz, heute Jürgensplatz, ab.  Schon Anfang November 1933 ziehen die ersten Dienststellen, das Kommando der Schutzpolizei und der Revierpolizei-Abschnitt I, in das neue Gebäude ein.[1]

 

 

Das Düsseldorfer Polizeipräsidium ist im Krieg von schweren Schäden verschont geblieben. Es dient noch heute seinem ursprünglichen Zweck, allerdings ist es vor wenigen Jahren vorübergehend für umfangreiche Renovierungsarbeiten freigezogen worden. Die Dienststellen der Polizei sind für diese Zeit in ein benachbartes Hochhaus umgezogen.

 



[1] Schubert, Wolfram (1983), Das Polizeipräsidium am Jürgensplatz, in: Polizei Düsseldorf (Hrsg.), Landeshauptstadt Düsseldorf und die Polizei – 50 Jahre Polizeipräsidium, S. 49-53

 

 

Abb. 3. Gedenktafel für 1922 erschossene Polizeibeamte (Quelle: Geschichte am Jürgensplatz e. V.)

 

 

Symbolik und Geschichtsarbeit

 

Bemerkenswert erscheinen einige Symbole des Hauses, die mit den politischen Einflüssen aus der Zeit der Inbetriebnahme, aber auch mit der geschichtlichen Aufarbeitung dieser Zeit zu tun haben.

 

Der Fußboden des Foyers im Hauptgebäude besteht großflächig aus Mosaiksteinen, mit denen ein Reichsadler erstellt ist, der zwei Blitze in seinem Krallen hält. Über seinem Kopf prangt in weißer Schrift die Formel „Gott mit uns“, vor dem Hintergrund der Allmachtsideen der Nationalsozialisten, die dieses Gebäude eingeweiht haben, eine Überhöhung der nationalsozialistischen Polizei. Der Mosaikboden ist als zeitgenössisches Zeugnis nicht überdeckt worden, sondern bietet sich den Besuchern des Präsidiums noch heute frei an. Ein ursprünglich in das Relief integrierte Hakenkreuz wurde entfernt.

 

Abb. 4. Foyer mit Mosaiken. Eröffnung der Dauerausstellung zur Düsseldorfer Polizeigeschichte am 16. April 2004 (Quelle: Geschichte am Jürgensplatz e. V.)

 

 

 

Abb. 5.     Der damalige Polizeipräsident Michael Dybowski im Rahmen der Ausstellungseröffnung (Quelle: Geschichte am Jürgensplatz e. V.)

 

 

Nicht in seiner ursprünglichen Form erhalten wurde das Relief des Reichsadlers an der Außenwand des Gebäudes. Zwar hat man den Adler als Figur unberührt gelassen. Die Scheibe mit dem Hakenkreuz, auf der er thront, wurde nach dem Fall des Dritten Reichs allerdings weggemeißelt. In späteren Jahren wurde von dem bekannten Düsseldorfer Polizeibeamten, Künstler und Schüler Josef Beuys eine dreieckige Gussplatte mit der Aufschrift „Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich“ erstellt und dem Adler vorgeschraubt. Der Adler ist hinter diesem Schild in Teilen noch zusehen. So symbolisiert diese Synthese aus zwei Kunstwerken die alte Zeit und den Anschauungswandel in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg.

 

Abb. 6. Reichsadler und Gedenktafel am Hauptgebäude (Quelle: Geschichte am Jürgensplatz e. V.)

 

 

Wiederum im Foyer des Präsidiums, das über mehrere Etagen nach oben offen ist und auf mehreren Etagen durch Rundbalkone begrenzt wird, sind an der steinernen Brüstung des Balkons im ersten Stock 463 schwarze Schilder mit Adressen angebracht. Es handelt sich um Tatorte, an denen sich im November 1938 in der Reichsprogromnacht ein nationalsozialistischer Mob in Wohnungen, Häusern und Betrieben jüdischer Düsseldorfer ausgetobt hat. Unfassbare Zerstörungen, 70 Verletzte und 13 Tote waren die Bilanz an diesen Orten.

 

Eine 1985 enthüllte Gedenktafel an einer Außenwand des Hauses erinnert schließlich an die letzten dramatischen Tage Düsseldorfs, unmittelbar vor dem Einmarsch amerikanischer Soldaten in die Stadt. Im Rahmen der so genannten „Aktion Rheinland“ hatten sich angesichts der Aussichtslosigkeit eines Widerstandes gegen die Alliierten und aus Sorge vor einer unnötigen Zerstörung der Stadt Bürger an dem amtierenden Kommandeur der Schutzpolizei, Oberstleutnant Franz Jürgens, gewandt. Sie konnten ihn dafür gewinnen, die Stadt kampflos an die bereits auf der anderen Rheinseite liegenden amerikanischen Soldaten zu übergeben. Die Verschwörung kippte auf und noch in der Nacht vom 16. auf den 17. April 1945 wurden Jürgens und vier seiner Mitstreiter, die Zivilisten Theodor Andresen, Karl Kleppe, Josef Knab und Hermann Weill, nach einem Standgerichtsverfahren erschossen. Die Geschichte konnten die Düsseldorfer Nazis hingegen mit ihrer letzten großen Bluttat nicht aufhalten. Zu derselben Zeit, zu der die Erschießungen stattfanden, wurde der Düsseldorfer Polizeipräsident August Korreng festgenommen und die Stadt von überlebenden Angehörigen der Widerstandsgruppe kampflos an die Amerikaner übergeben.

 

Die Gedenktafel zeigt folgende Aufschrift:

 

 

Zur Mahnung

 

In diesem Haus waren 1933 – 1945 zur Verfügung der Gestapo (Geheime Staatspolizei im SS-Staat) für Stunden, Tage oder Wochen insgesamt 7101 Männer und 851 Frauen eingesperrt. Viele wurden von hier aus in Konzentrationslager gebracht; andere töteten sich selbst, weil sie die Folterungen nicht ertragen konnten.

 

Auch der Kommandeur der Schutzpolizei, Oberstleutnant Franz Jürgens, und die Bürger Knab, Kleppe, Weill und Andreesen, waren hier am 16. April 1945 inhaftiert, weil sie versucht hatten, die Stadt Düsseldorf kampflos an die alliierten Befreier zu übergeben, um Tod und Zerstörung Einhalt zu gebieten. Nach einem standgerichtlichen Mordurteil in der Nacht zum 17. April 1945 wurde Jürgens mit seinen Getreuen im Hof der Berufsschule an der Färberstraße erschossen und verscharrt. Ein Düsseldorfer Schwurgericht erklärte 1949 jenes Mordurteil für rechtens. Dem hat sich 1952 der Bundesgerichtshof angeschlossen.

 

Der Tod ist ein Meister aus Deutschland (Paul Celan)

 

 

Der Platz vor dem Polizeipräsidium wurde Jahre später nach dem erschossenen Schutzpolizeikommandeur in Jürgensplatz umbenannt.[1]

 



[1] Die Informationen zum Abschnitt „Symbolik und Geschichtsarbeit“ wurden teils von der Homepage des Vereins „Geschichte am Jürgensplatz“, teils aus Unterlagen, die Herr Polizeipräsident a. D. Michael Dybowski freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, entnommen. Mein Dank dafür und für Bilder aus dem Bestand des Vereins, die ich für polizeihistorische Zwecke nutzen durfte geht an den Verein und Herrn Dybowski.

 

Abb. 7. Die fünf standrechtlich erschossenen Mitglieder der Widerstandsgruppe "Aktion Rheinland" (Quelle: Polizeigeschichte am Jürgensplatz e. V.)

 

 

Seit langem kümmert sich der Verein „Geschichte am Jürgensplatz e. V.“ um die Aufarbeitung der Geschichte der Düsseldorfer Polizei und des Polizeipräsidiums. Auf den Verein geht u. a. die Ausstellung „Transparenz und Schatten“ zurück. Auf 250 qm Fläche werden im Grundsteinraum und dem ihn umgebenden Rundgang ansprechende Exponate gezeigt. Die Ausstellung musste leider aufgrund der Renovierungsarbeiten im Haus geschlossen und die Exponate eingemottet werden, soll nach der Wiedereröffnung des Präsidiums aber wieder hergerichtet werden. Langjähriger Vorstand des Vereins war der Erste Polizeihauptkommissar Klaus Dönecke, der sich durch seine empirische Geschichtsforschung zur Polizei im Dritten Reich einen Namen gemacht und sogar das Bundesverdienstkreuz erhalten hat. Dönecke verstarb 2017. Seit mehreren Jahren wird der Verein nun durch den ehemaligen Essener und zuletzt Düsseldorfer Polizeipräsidenten Michael Dybowski geleitet. Er und die anderen Mitglieder des Vereins bleiben Hüter der Düsseldorfer Polizeigeschichte. Herrn Dybowski und den übrigen Mitgliedern des Vereins danke ich herzlich für die Überlassung einer Fotografien und für umfängliche Informationen über das Düsseldorfer Polizeipräsidium.

 

 

Die vielfältige und interessante Homepage des Geschichtsvereins ist unter folgendem Link erreichbar:

 

 

https://www.geschichte-am-jürgensplatz.de/index.php

 

Anschrift Polizeipräsidium Düsseldorf: Jürgensplatz 5-7, 40219 Düsseldorf